Rückblick • 25. Juni in Berlin

MIP#7

Media Innovation Platform #7: Wo schafft KI heute schon Wert?

Rund 100 Teilnehmende, vier Formate und ein voll besetztes Konferenzzentrum im DRIVE. Volkswagen Forum: Die Media Innovation Platform #7 ist nach drei Jahren zurück, mit dem Thema, das die Branche gerade neu sortiert. Der Tag in Berlin gab umfassende Einblicke zum Einsatz von KI in Produktion, Distribution und Vermarktung.

DTVP-Punkte in Form eines Hashtags
Nicole Agudo bei der Eröffnung der Media Innovation Platform im Juni 2026

Auftakt der MIP#7

KI als Game Changer: Effizienz und Wertschöpfung in TV & Streaming.

Künstliche Intelligenz verändert TV und Streaming. Doch wo lohnt sich der Einsatz heute schon wirtschaftlich? Genau diese Frage stand im Mittelpunkt der MIP#7. Keine Zukunftsvisionen, sondern konkrete Anwendungen aus Produktion, Distribution und Vermarktung. Die rund 100 Teilnehmenden lauschten nicht nur den Vortragenden, sondern brachten sich aktiv in die Diskussionen ein. Durch den Tag führte der Medienjournalist Dr. Jörn Krieger.

Den Auftakt machte Nicole Agudo Berbel, Vorsitzende der DTVP und Geschäftsführerin der Seven.One Entertainment Group, mit einer klaren Einordnung: KI durchdringt bereits die gesamte Wertschöpfungskette. Die entscheidenden Fragen seien, wo KI Mehrwert, Effizienz und Qualität schafft und wo neue Geschäftsmodelle entstehen. Hinzu kämen Fragen zu Urheberrecht, journalistischen Standards und Verantwortung. Herausforderungen, die niemand allein bewältigen könne.

„Die DTVP bietet den perfekten Ort für Austausch und Kooperation. Innovation entsteht durch neue Werkzeuge und gemeinsam werden wir die KI-Revolution erfolgreich gestalten.“

Nicole Agudo Berbel · Vorsitzende des Vorstands DTVP, Chief Distribution & Partnerships Officer der Seven.One Entertainment Group

(c) DTVP | Egon Huschitt

Carsten Busch während seiner MIP# Keynote 2026

Keynote

Erfolg durch Illusion
„Es wird KI-siert, was KI-siert werden kann.“

Unter der Überschrift „Erfolg durch Illusion: Was bringt die Zukunft nach 2.000 Jahren KI und 67.000 Jahren Medien(-Technik)?“ nahm Prof. Dr. Carsten Busch von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin das Publikum mit auf eine Medien-Zeitreise. Von den ersten Höhlenmalereien in Indonesien bis heute zog er die Linie zur Gegenwart und kam zu dem Schluss, dass die Aufgabe von KI sei, Träume und Illusionen zu erzeugen. Welche Technologien zukunftsfähig sind, müsse sich erst zeigen. Die Richtung des KI-Trends sei noch nicht eindeutig, und es müsse sich erst erweisen, welche Geschäftsmodelle tragen.

 

Panel • In englischer Sprache

KI ist schon da.

In der anschließenden Panel-Diskussion unter der Moderation von Carine Chardon, Geschäftsführerin der GFU Consumer & Home Electronics GmbH, stellten vier Branchenvertreter KI-Anwendungen aus ihren Häusern vor. Uli José Anders (Head of AI, RTL Studios GmbH), Gijs Davelaar (CRO, Media Press Group), Iva Hauk (Business Development Manager DACH, Big Blue Marble) und Dominique Hoffmann (Direktorin Produktion und Technik, Westdeutscher Rundfunk) zeigten, wo KI in ihren Organisationen heute schon Wirkung entfaltet.

Der WDR steht nach den Worten von Dominique Hoffmann am Anfang des KI-Einsatzes: Nachts läuft bei einem Radiosender KI-generierter Content für Wetter und Verkehr, für Sport erstellt der Sender KI-gestützte Highlights. Man lerne viel und sei sich der Risiken bewusst. Wichtig sei, dass die Zuschauenden erkennen, wie Inhalte produziert wurden. Bei Big Blue Marble kommt KI laut Iva Hauk bei der Optimierung von Workflows und der Empfehlung von Inhalten zum Einsatz. Bei RTL Studios startete der KI-Einsatz vor einem Jahr, wie Uli José Anders berichtete, mit Fokus auf Content-Produktion, Workflow und Postproduktion. KI sei ein Werkzeug, um dem finanziellen Druck zu begegnen und die Produktionsqualität zu sichern. Zugleich gelte es, eigene Data-Center und Large Language Models zu entwickeln, um die Unabhängigkeit zu wahren. Gijs Davelaar erklärte, dass bei der Media Press Group der KI-Einsatz bereits vor 15 Jahren mit der Verbesserung von Texten begann, und empfahl, intensiv zu kooperieren.

Panel Diskussion zur MIP#7 mit Carine Chardon sowie Dominique Hoffmann und Iva Hauk
Panel Diskussion zur MIP#7 mit Uli Jose Anders und Gijs Davelaar

Case Study 1

Agentic AI in Broadcasting.

Chris Ziemer (Amazon Web Services) zeichnete die aktuelle Lage bei Media und Entertainment nach. Die Sehgewohnheiten ändern sich, lineares TV nimmt ab, Creator-Economy und Kurz-Videos gewinnen an Bedeutung. Bereits in 40 Prozent der Fernsehserien sei KI in den Produktionsschritten enthalten. Die Zuschauenden erwarteten ein persönliches, relevantes und reibungsloses Erlebnis. Als Anwendungsbeispiel stellte er ein Projekt mit Bloomberg TV vor, bei dem Live-TV und ein Archiv von 13 Petabyte mithilfe von KI kombiniert und plattformgerecht ausgespielt werden.

Case Study 2

KI im modernen Jugendschutz.

Daniela Hansjosten (RTL Deutschland) stellte mit „Merm:ai:d“ eine KI-Anwendung für den Jugendschutz vor. Das Tool beurteilt Inhalte auf Basis von 14 KI-Modellen und erreicht eine Trefferquote von 98 Prozent. Grundlage ist das deutsche Jugendschutzgesetz. Die Anwendung hilft, die große Menge von rund 10.000 Inhalten pro Jahr zu prüfen. 80 Prozent Zeitersparnis schaffen den Freiraum, die restlichen 20 Prozent manuell zu sichten.

Sven Eckoldt bei seinem Spotlight zur MIP#7

Spotlight

Von der Hosentasche ins Cockpit.

Sven Eckoldt (CARIAD) führte die Teilnehmenden in den Bereich Automotive. Für die Plattformen des Volkswagen-Konzerns arbeitet man an der Optimierung der User-Interfaces. Dabei gilt es, Unterschiede bei Schnittstellen, Logik und Zugriff zu überwinden. Die Fahrzeuge hätten noch wenig Verständnis für die Nutzenden, und es gebe eine Fragmentierung zwischen Fahrzeug, Smartphone und Cloud. Mithilfe von KI arbeite man an Lösungen.

Fishbowl

Ist KI der Katalysator der Branche?

Die abschließende Fishbowl-Diskussion unter der Moderation von Naomi Schoppa (R&D Project Manager, Fraunhofer FOKUS) stellte die Frage „Ist KI der Katalysator der TV- und Streaming-Branche?“ in den Mittelpunkt. Für Andreas Kastner (AWS) ein klares Ja: Für Konsumentinnen und Konsumenten ergebe sich ein größerer Nutzen, das sei besser als Stillstand. Daniela Hansjosten (RTL Deutschland) sieht die Möglichkeit, bei sinkenden Budgets mit KI Qualität herzustellen. Dominique Hoffmann (WDR) stellte fest, dass sich KI-Themen nicht aufhalten ließen, die Risiken aber beachtet werden müssten. Besonders die Transformation beim Personal werde ein Kraftakt. Vom „heißen Stuhl“ der Fishbowl merkte unter anderem Sven Grünheidt (Gracenote) an, dass auch die User Experience verbessert werden müsse und KI dabei helfe, die Content Discovery effektiver zu gestalten.

Fishbowl Diskussion mit Naomi Schoppa, Andreas Kastner und Daniela Hansjosten sowie Dominique Hoffmann
Fishbowl mit Sven Grünheldt und Dominique Hoffmann

Learning

MIP#7 Abschluss

Zum Abschluss des Tages zogen Nicole Ludwig, Geschäftsführerin der DTVP, und Dr. Jörn Krieger gemeinsam die Learnings der Veranstaltung, bevor es bei Live-Demos und Networking ins Gespräch ging. Live-Demos von KI-Anwendungen präsentierten ARD, Big Blue Marble, Electric Friends, Fraunhofer FOKUS, Gracenote, Media Press Group und Simply.TV.

„Kooperationen über alle Ebenen sind notwendig, von der Wissenschaft über Inhalteanbieter, Produktion und Technologie, um die rasante Entwicklungsgeschwindigkeit bei KI für die europäische Medienindustrie zu nutzen. Dafür ist die DTVP die ideale Plattform, denn nur bei uns können über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg Innovationen mitgestaltet werden.“

Nicole Ludwig, Geschäftsführerin DTVP
Portrait von Nicole Ludwig - Geschäftsführerin des DTVP